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Written by Administrator   
Friday, 31 December 2004

Angekommen in der Fremde! 

Wir sind nach 20 Tagen wohlbehalten und voller Vorfreude auf Land in der Rodney Bay auf St. Lucia angekommen. Die Vorbereitungen für diesen langen Törn hatten uns schon recht genervt. Zuletzt waren wir froh, dass endlich der Startschuss fiel und wir allein mit uns und der Mignon waren.

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So haben wir es auch in der ersten Woche ganz langsam angehen lassen. Vornehmlich weil Johan bemüht war, die Seekrankheit von mir fern zu halten. Das ist auch gelungen! Mir ging es während der gesamten Strecke sehr gut. Durch die Standortmeldungen der anderen Teilnehmer und die uns überholenden Schiffe aufgeweckt, begann für Johan der Wettbewerb. So holten wir dann raus, was die Segel konnten.

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Das hat die alte Genua allerdings nicht lange ausgehalten. Das seit Jahren ständige Einrollen und Ausrollen hat die Nähte durchscheuern lassen. Nach dem Tapen von drei Nähten(wir mussten dazu immer die Genua herunter holen,)blieb uns dann nur noch ca. zwei Drittel Genua übrig, weil wir den letzten Meter aus Vorsicht nicht ausrollten. Das wurde besonders bitter, weil auch der Blister danach über Nacht einen Squall nicht überlebte!!

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Der Kopf und das Achterliek wurden herausgerissen. Das schnell aus dem Wasser Hiefen des ca. 130 qm großen Tuchs, verhütete Schlimmeres. ( Ein Squall ist eines der sich dort bildenden kleinen Tiefdruckgebiete mit heftigen Böen und starkem Regen, welche auf dieser Strecke sehr häufig über einen kommen. ) Zum Glück kam in der letzten Woche so viel Wind, dass wir den Blister wahrscheinlich nicht hätten setzen können. Wenn man nur noch eine Segelstellung (Butterfly, wobei das Groß mit Bullenstander gesichert und die Genua ausgebaumt wird) fahren kann, werden die Entscheidungen auch leichter und es bleibt mehr Zeit für andere Dinge!!

Auf der gesamten Strecke, die wir gesegelt sind (2900 Meilen) haben wir gesichtet: 4 Frachter, etwa 20 Mitsegler, einen Hai ( schwamm in unserem Fahrwasser), viele fliegende Fische ( von denen zwei die Landung bei uns an Bord nicht überlebt hatten ), einige silbern in der Sonne glänzende aus dem Wasser springende Fische, 2 Wale (in etwa einer Meile neben dem Schiff an der Wasserfontäne und den Schwanzflossen erkannt), viele schöne Sonnenaufgänge und Untergänge und sehr viele dicke Wolken, tiefblaues Wasser mit meistens weißen Schaumkronen, hoch hinter uns aufsteigend und rauschend uns überholend! 

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Unsere Höchstgeschwindigkeit erreichten wir in einem Surf unter Butterfly mit 10,2Nm auf der Logge. Meistens fuhren wir zwischen 8 und 9 Meilen, wenn eine achterlicher Wind von ca. 25 bis 30 Knt. stand. Das war reinstes Segelvergnügen und hat richtig Spaß gemacht. Der Wind war leider nicht immer so. Durch die Termine, die wir jeden Tag hatten; (Wetterbericht empfangen, Standortmeldung abgeben, mit den befreundeten Schiffen über SSB sprechen), war der Tag schon strukturiert. Die Mahlzeiten passten gerade noch dazwischen.

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Wir haben es uns sehr gut gehen lassen. Es gab Essen wie gewohnt ! Eine warme Mahlzeit am Frühen Abend und zwei Frühstücke, Mittagssnack, Kaffee und Kekse, sowie Obst und auch Nüsse, Süßigkeiten für mich und Tee mit Rum für Johan während der Nachtwachen. Da ich durch Vorsorge ( in der ersten Woche Abstinenz von Alkohol und nicht unter Deck gehen) und durch das Medikament ( Biodramina) von der Seekrankheit verschont blieb, habe ich nicht abgenommen. Im Gegenteil, die in Las Palmas ( Stadt der langen Wege)abgelaufenen Pfunde sind wieder drauf. Meinen Geburtstag haben wir mit frisch gebackenem Brot, Sekt und Kuchen besonders gefeiert. Johan hatte mir schon um Mitternacht auf der Mundharmonika ein Ständchen gebracht !

Auch haben wir in Gedanken mit unseren Freunden zuhause gefeiert( Adolf und Inge). Eine besondere Feier unterbrach den Schiffsalltag am 6. Dez.! Nicht wegen Nikolaus! Mignon (Tochter von Johan) hatte Geburtstag und demzufolge wurde auch der Mignon (unserem Schiff) in Ehre erwiesen. Auf beide haben wir geprostet!! Einige highlights sind nötig, bei drei Wochen nur auf dem Schiff! Wir beide sind uns nicht auf den Wecker gefallen. Da waren wir eher froh, dass wir nur zu zweit waren, gegenüber viele andere Schiffe.

Uns sind mehrere Schiffe bekannt, die doppelhanded fahren wollten aber aus irgendwelche Gründe noch ein Pärchen an Bord mitgenommen haben. Alle haben es bereut!! Die Arbeit mit dem Segeln schafften wir gut zusammen. Auch die Wachen wurden ohne feste Zeiten individuell geregelt, nach dem Motto: kein System ist auch ein System. Durch unseren unterschiedlichen Bedarf an Schlaf, konnten wir damit sehr gut leben. Auch haben wir alle 15 Grad nach Westen die Bordsuhr um eine Stunde umgestellt, damit die Anpassung in St.Lucia uns nicht zu schwer fallen würde.(Schlafens- und Essenszeiten) Weil viele Termine auf UTC Zeit (Zulu in der Fliegerei) blieben, verschoben sie sich gegenüber den Bordzeiten um bis zu 4 Stunden! Damit wir nichts vergaßen, wurden zwei Uhren nebeneinander gestellt. Es gab immer etwas zu erledigen. (sogar ein Wechsel des Dieselfilters war einmal fällig).Die Nächte(Dunkelheit )kamen uns immer sehr lang vor. Da waren wir dann mit dem Meer und dem gigantischen Sternenhimmel ganz allein; ein tolles Gefühl!

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! Die zweite Hälfte der Strecke(Bergfest am 01.12.04) war die schönere und wurde eigentlich als kürzer empfunden, bis auf die letzten 2 Tage. Endlich Land in Sicht!! Wir erreichten den Wegpunkt an der Insel mit einem ARC Teilnehmer vor uns und einem schräg hinter uns. So wurde es zu guter letzt auch noch ein wenig spannend! Die Pigean Island knapp genommen mussten wir dann hoch am Wind (nach 3 Wochen mit ausgebaumten Segeln sehr ungewohnt und nicht ohne Komplikation geschafft) ziemlich kneifen, um nicht über Stag gehen zu müssen!

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Da kam dann das Gangbord doch noch unter Wasser und kamen wir dann als erstes dieser Drei über die Ziellinie: Samstagmorgen (11.12.04) um 10.08h Local Time nach 2930 Nm !Wir waren froh alles heil und gesund überstanden zu haben! So konnten wir dann die Willkommenszeremonie in der Marina gelöst über uns ergehen lassen: Gratulation der ARC Leute und der an Land stehenden Teilnehmer, die uns mit Fruchtkorb und kaltem Rumpunsch empfingen, begleitet von einem Einheimischen, der virtuos auf seiner Blechtonne spielte! Bis zur Abschiedsparty erlebten wir diese Zeremonie noch häufig bei der Ankunft anderer Schiffe. Wir waren als 136. Schiff eingelaufen und machten den Platz 66 over all! Insgesamt gab es ca. 225 Teilnehmer.

Die Mignon hat uns komfortabel und mit einem sicheren Gefühl übern Teich gebracht. Es war eine zusätzliche gute Erfahrung, die uns ermutigt, weiter zu fahren!!!

Nun sind wir in den Gewässern, die so paradiesisch schön sind, dass wir uns die Südsee kaum noch als Steigerung vorstellen können! Aber alle, die schon mal dort waren, sagen: „Da müsst ihr hin!“ Wir fahren also weiter durch den Panamakanal und werden Galapagos anlaufen, um dann noch einmal eine Strecke von 3bis 4 Wochen im Pazifik über uns ergehen zu lassen! Doch vorher berichten wir noch mal über die Karibik!

In dem Sinne wünschen wir unseren Segelfreunde „een goede en behouden vaart“ und die Landratten alles Gute bei der Arbeit. Vor allem für alle:“ gute Gesundheit.“

 

Die Segelcrew der Mignon
Edith und Johan.

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P.S. von Johan:

Eine Antwort auf eine sehr häufig gestellte Frage:
Edith hat die Seekrankheit , wenn man richtig vorgeht, sehr gut gemeistert, vielleicht sogar im Griff!!

 

 

 

 

 

Last Updated ( Saturday, 04 March 2006 )
 
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